Buchforschung 1

Alena Köllner: Buchwesen in Prag. Von Václav M. Kramerius bis Jan Otto. Wien: Edition Praesens 2000. 178 S., 24 Ill., 4 Beil.
ISBN 3-7069-0041-6

Prag war bis 1918, nach Wien, die wichtigste Buchhandels-, Druck- und Verlagsstadt der Monarchie. Mit einer umfangreichen deutschsprachigen, dann tschechischen und hebräisch-jüdischen Produktion war Prag ein Beispiel für den multiethnischen Charakter der habsburgischen Monarchie. In der Mitte von Leipzig und Wien gelegen, vermittelte Prag zwischen dem deutschen und dem österreichischen Buchhandel.

Das Spektrum der Darstellung von Köllners Werk ist weit gespannt: von Bevölkerungsstatistiken, der sozialen Schichtung, der Schulbildung und Lesefähigkeit, dem Nachdruck, von Lesekabinetten und Leihbibliotheken bis zu Hinweisen auf wichtige Autoren und Werke in den Verlagsprogrammen (Bolzano, Dobrowsky, Doppler u.v.a.). Breiter Raum wird dem allmählichen Wiedererstarken des tschechischen Buchhandels- und Verlagswesens von Kramerius bis zu Jan Otto gewidmet, sowie den Auseinandersetzungen zwischen den deutschösterreichischen und tschechischen Standesvertretern. Daß gerade der Buchhandel entscheidend zur „tschechischen Erneuerung“, zum nationalen Erwachen beigetragen hat, wird hier zum ersten Mal ausführlich dokumentiert. Der Text wird ergänzt durch ein Verzeichnis der etwa zwischen 1780 bis 1850 in Prag wirkenden Buchdrucker, -händler und Verleger, mit Firmendaten und weiterführender Literatur. Ein Firmen-, Personen- und Sachregister schließen das Werk auf. 

Seit Josef Volfs knappem Aufriss von 1928 (im Rahmen der Geschichte des Buchdrucks Böhmens und Mährens, wobei der Buchhandel unberücksichtigt blieb) fehlte eine Studie des Buchwesens in Prag. In dem Werk von Köllner wird jetzt zum ersten Mal das Buchwesen in Prag von der Aufklärung bis zum Liberalismus unter Franz Joseph I ausführlich und detailliert dargestellt. Damit wird eine Lücke in der Buchgeschichte Österreichs geschlossen.